Potenzen, Wurzeln, Logarithmus & Exponentialfunktionen
Die Eulersche Zahl e - Herleitung und Sonderstellung
Lernziele dieser Lektion
- Sie verstehen, warum aus einer konkreten Fragestellung der Finanzmathematik entstanden ist
- Sie kennen die Grenzwert-Definition und erkennen den Wert
- Sie unterscheiden diskrete und stetige Verzinsung und können zwischen beiden umrechnen
- Sie wissen, was die Besonderheit der e-Funktion bei der Ableitung ist
- Sie erkennen e in typischen Modellen: Bevölkerungswachstum, Medikamentenabbau, Zinseszins-Grenzfall
Woher kommt e eigentlich?
In Lektion 3 haben Sie die e-Funktion als Werkzeug zur Beschreibung von Wachstum und Zerfall kennengelernt. In Lektion 4 haben Sie sie für Halbwertszeiten und Kohlenstoff-Datierung eingesetzt. Diese Lektion beantwortet die oft zu kurz kommende Frage: Warum ist eigentlich ein so besonderer Wert? Woher kommt diese Zahl?
Die Antwort führt uns zurück zu einem Gedankenexperiment aus der Finanzmathematik - und zu einem schönen Anwendungsfall der Grenzwerte, die Sie in Modul 14 Lektion 3 kennengelernt haben.
Das Zinseszins-Gedankenexperiment
Die Ausgangsfrage (Jakob Bernoulli, 1683)
Ein Kapital von 1 EUR wird mit 100 % Zinssatz pro Jahr angelegt. Die Bank bietet an, die Zinsen unterjährig gutzuschreiben, z.B. halbjährlich (50 % pro Halbjahr) oder monatlich. Je häufiger verzinst wird, desto mehr Endkapital. Die Frage: Wie viel wird es maximal, wenn man unendlich oft verzinst?
Formel für n Verzinsungstermine pro Jahr
Bei Verzinsungen pro Jahr und 100 % Jahreszins gibt es pro Termin Zinsen. Das Endkapital nach einem Jahr ist:
Durchdachtes Beispiel A - Endkapital bei wachsendem n
Aufgabe: Berechnen Sie für verschiedene n.
| Verzinsungsart | n | |
|---|---|---|
| jährlich | 1 | 2,000000 |
| halbjährlich | 2 | 2,250000 |
| vierteljährlich | 4 | 2,441406 |
| monatlich | 12 | 2,613035 |
| wöchentlich | 52 | 2,692597 |
| täglich | 365 | 2,714567 |
| stündlich | 8.760 | 2,718127 |
| sekündlich | 31.536.000 | 2,718282 |
Die Werte wachsen - aber immer langsamer. Sie konvergieren gegen einen Grenzwert knapp unter 2,72.
Dieser Grenzwert ist die Eulersche Zahl:
Definition der Eulerschen Zahl
ist irrational (nicht als Bruch darstellbar) und sogar transzendent (nicht Lösung einer algebraischen Gleichung mit rationalen Koeffizienten).
Dies ist nur ein kurzer Auszug. Die vollständige Lektion mit interaktiven Übungen und Lernfortschritts-Tracking gibt es nach Einlösung eines Einschreibeschlüssels.